Er baute Häuser und Hotels, entwarf Tapeten und Bestecke, spielte mit Licht und Gartenlandschaften. Er verknüpfte die Funktionalität der Moderne mit den Rundungen der Natur. Er war der Großmeister des skandinavischen Designs: Arne Jacobsen, der 1971 verstorbene Architekt und Multigestalter aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Bis heute gelten seine Entwürfe als bahnbrechende Statements im Alltag der westlichen Welt. Allein von seinen Stühlen 3107 und 3100 (wegen seiner Form auch "Ameise" genannt) wurden seit den Fünfziger Jahren rund sechs Millionen Exemplare hergestellt.
Ein ganz anderes Kaliber ist der legendäre "Ei-Sessel", den Jacobsen vor genau 50 Jahren für den Neubau des Kopenhagener Radisson SAS Royal Hotel entwickelt hatte. Hier konnte er seine Vorstellungen von "Architektur als Gesamtkunstwerk" bis hinein in die Details verwirklichen. Das schwebende "Ei" entsprach genau dem futuristisch-organischen Leitbild, nach dem er nicht nur die Hotel-Lobby des Royal SAS ausstattete. Besonders der berühmte "Raum 606" wurde zur Schatzkammer seines Stils; sozusagen das Bernsteinzimmer des modernen Dänemarks. Und die organische, von einer Plastikschale stabilisierte Kurvenform des Sessels galt seinerzeit als revolutionär. Sitzfläche, Rück- und Armlehne bildeten ein ovales Gesamtgebilde, in das man genüsslich eintauchen konnte. Eine frühe Ikone des Space-Zeitalters.
Gleichzeitig war Jacobsen mit seinem Entwurf natürlich meilenweit vom Massengeschmack der damaligen Zeit entfernt. In der Bundesrepublik des Wirtschaftswunders etwa regierten Nierentische oder der Gelsenkirchener Barock. Der Ei-Sessel von 1958 geriet stattdessen zum begehrten Objekt für Galerien oder Museums-Ausstellungen. Mit dem Beginn der Beat-Ära der Sixties begann seine rasante Pop-Karriere. Werber und Filmausstatter entdeckten die coole Kugel für ihre Zwecke. Ein Möbelstück, der einen Lebensstil vermittelte. Kein Wunder eigentlich, dass er gerade bei James Bond und anderen Agenten des guten Geschmacks zum Einsatz kam.
Seitdem ist die beswingte Leichtigkeit des Entwurfs mit jener Coolness umgeben, die auch oberflächliche Retrowellen locker überstanden hat. Arne Jacobsen Formgefühl setzt sich über jede vordergründige Easy-Listening-Ironie hinweg. Wenn die Möbelfirma Fritz Hansen nun eine auf 999 Exemplare limitierte Jubiläums-Edition des mittlerweile legendären Ei-Sessels herausbringt, dann reizt natürlich nicht nur die edle Kombination von dunkelbraunem Leder (Vorderfront) und Wildleder (Rückseite), sondern auch die ganz spezielle Story von Jacobsens Kreation. Ein parallel erscheinendes Jubiläumsbuch, das speziell zum diesem Anlass editiert wurde, erzählt noch einmal ausführlich die Geschichte des Kultobjekts.